Wapakoneta – Freunde statt Fremden

Quelle: Westfälische Nachrichten | Sonntag, 29. August 2010

21 Schülerinnen und Schüler aus Lengerich und Lienen weilten in den Partnerstädten Wapakoneta und St. Marys. Für alle war es eine Zeit voller neuer Erkenntnisse und vieler Erlebnisse.Lengerich – Mit vielen neuen Erlebnissen und Eindrücken sind die 21 Mädchen und Jungen vom Schüleraustausch aus Wapakoneta und St. Marys zurück gekehrt. Betreut wurde die Gruppe durch den Freundschaftsverein, begleitet haben Ulla Hohmann-Assig zu Beginn und Brigitte Fahrenhorst-Reißner in der zweiten Hälfte den Austausch. Über den gesamten Aufenthalt in Ohio haben Konstantin Hinnah und Leonie Wiethaup folgenden Bericht geschrieben:

„Flughafen Dayton, 0:30 Uhr: Aufregung pur. In nur wenigen Augenblicken werden wir unseren Gastfamilien zum ersten Mal begegnen. Fremde Menschen, bei denen wir drei Wochen wohnen werden. Was sollen wir sagen, wie sollen wir uns verhalten?
Die letzten Meter. Dann sehen wir sie auch schon. Ebenso aufgeregte Menschen, die schnell die ersten Fotos machen und Schilder mit unseren Namen hochhalten. Wir werden herzlich empfangen, schnell legt sich die Anspannung. Die Amerikaner sind einfach zu aufgeschlossen, als dass man lange nervös sein muss.
Das merken wir auch am nächsten Tag. Der Bürgermeister begrüßt uns und schon entwickeln sich erste Gespräche zwischen Amerikanern und Deutschen. Wir werden vom ersten Moment an als Freunde und nicht als Fremde angesehen und auch entsprechend behandelt. Damit uns die Stadt nicht unbekannt bleibt, haben sich die Gasteltern etwas Ausgefalleneres als eine Stadttour mit historischem Hintergrund ausgedacht: eine Schnitzeljagd durch die Stadt. Zu suchen sind Geschäfte mit dem „Sister Cities“-Logo. In diesen Geschäften muss etwas abgeholt werden. Wer zuerst am Treffpunkt, einem kleinen Café, ist und alles vorzeigen kann, bekommt einen Gutschein für ein Schnellrestaurant.
Auch die darauffolgenden Tage werden nicht langweilig. Die Mädchen dürfen sich an einem Beauty Day verwöhnen lassen, während die Jungen ihren Spaß beim Kart fahren haben. Auch die Stadt Columbus ist mit seinem Statehouse – ähnlich dem deutschen Bundestag – interessant, allerdings warten die meisten (vor allem die Mädchen) doch darauf endlich wieder Freizeit zu haben, weil ja auch noch Shopping auf der Tagesagenda steht.
Es gibt einige tolle Programmpunkte, auf die sich alle gemeinsam gefreut haben. Dazu gehörten ein White Water Rafting in West Virginia, ein Paintball-Spiel und ein Freitzeitparkbesuch im Cedar Point mit der schnellsten und höchsten Achterbahn der Welt. Unvergessliche Erlebnisse.
Selbstverständlich gibt es auch kulturelle Highlights: Wir besuchen Museen und erfahren, dass die Vorfahren von Neil Armstrong zwar aus Ladbergen kamen, Armstrong selber aber in Wapakoneta geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Der Staat Ohio ist sehr stolz darauf, dass so viele berühmte Astronauten aus Ohio stammen, zum Beispiel John Glenn, der noch mit 77 Jahren an einer Weltraummission teilnahm.
Dann gab es auch noch die Gebrüder Wright, die ebenfalls in Ohio lebten. Die waren zwar keine Astronauten, bauten aber die ersten Flugmaschinen.
Wir haben aber auch sehr Spannendes während unserer Zeit in Wapakoneta erlebt. Dazu gehört ein eigentlich beschaulicher Abend mit anschließendem Autokinobesuch, was in Amerika ja sehr populär ist. Allerdings hat keiner mit einer Autopanne auf dem Highway gerechnet. Der Tank hat ein Leck, wir sitzen fest. Auf einem Highway irgendwo im nirgendwo. Ein neues Auto muss her, damit wir den Anfang des Filmes nicht verpassen.
Um es kurz zu machen: wir kommen schließlich doch noch an, das Auto ist nicht explodiert. Es gibt aber ein neues Problem: Der Ton für den Film funktioniert nicht.
Deutsche hätten warscheinlich gesagt: „OK, haben wir eben Pech gehabt, wir bringen euch dann mal nach Hause.“
Amerikaner sind da ganz anders. Sofort hat sich jemand gemeldet, der einen Beamer bei sich zu Hause hat, die Eltern werden angerufen und schon sitzen alle wieder in den Autos.
In Wapakoneta und Umgebung wird es aber auch ohne solche Zwischenfälle nicht langweilig, denn wenn die Stadt relativ klein ist (zwischen 9000 und 10 000 Einwohner) kann man sich immer beschäftigen. Es gibt einen Waterpark, selbstverständlich mehrere Shopping Malls und das so genannte YMCA. Dies ist ein Fitnessstudio mit Turnhallen und Schwimmbad, in dem man sich mal so richtig auspowern kann. Wir haben uns dort täglich getroffen, wenn nichts anderes auf dem Programmplan stand.
Außerdem wurde in der Zeit, in der wir in Wapakoneta waren, die Bank ausgeraubt und überall waren Polizeiwagen mit heulenden Sirenen im Einsatz.
Es gibt sogar einen Aldi in Amerika. Zu kaufen gibt es Marshmallows. Die Art Mausespeck wird abends zusammen mit Freunden und Familie am Lagerfeuer gegrillt.
Wapakonetas talentiertester Einwohner ist zurzeit wohl Kent Boyd. Der Teenager nahm an der populärsten Tanzshow Amerikas („So You Think You Can Dance“) teil und belegte den zweiten Platz.
Jeder Teilnehmer hat aber auch eigene Erfahrungen in seiner Gastfamilie gesammelt. Einwohner und Gäste sind sehr stolz die Leistung. Zur gemeinsamen Freizeitgestaltung gehören Familienbesuche, Poolpartys, Football, Golfen oder auch Flugzeugflüge, Autocross und andere verschiedene Ausflüge.
Herzliche, unkomplizierte Gastfamilien, eine einzigartige Stadt, ein super Programm und nicht nur wegen der hochsommerlichen Temperaturen, der wohl beste Sommer unseres Lebens, den wir so schnell nicht vergessen werden.“