Mo, 12. 07. 2010 – 18:20 – wam
Quelle: Westfälische Nachrichten (Michael Baar) | Montag, 12. Juli 2010
Lengerich – Schock in der Mittagsstunde: Neun Schülerinnen und Schüler des Hannah-Arendt-Gymnasiums sind am Montag mit Kreislaufproblemen beziehungsweise -kollaps in Krankenhäuser in Lengerich und der Umgebung gebracht worden. Das bestätigt Schulleiter Ulrich Netkowski auf Nachfrage der Westfälischen Nachrichten.
Das Bild gestern Mittag am Stadion an der Münsterstraße dürfte einigen Eltern mehr als einen Schreck in die Glieder gejagt haben. Bis zu sieben Kranken- beziehungsweise Rettungswagen und der Rettungshubschrauber kümmern sich um die Versorgung der Kinder und Jugendlichen. Zum Glück wird der Helikopter nicht benötigt. Neun Kinder werden in Krankenhäuser gebracht. Die Helios-Klinik Lengerich ist schnell an der Grenze ihrer Aufnahme-Kapazität angelangt.
Aus Reihen der Eltern gibt es schwere Vorwürfe in Richtung Schule und deren Leitung. Warum bei so einem Wetter überhaupt ein Sportfest? Warum ist das erst abgebrochen worden, als den ersten Kinder schon schlecht geworden war? Die Empörung über die Durchführung des Sportfestes ist in Briefen an die und Telefonaten mit der WN-Redaktion fast greifbar.
„Wir haben uns am Morgen noch besprochen“, erläutert Ulrich Netkowski. Mit „uns“ sind die Sport-Kollegen des Schulleiters gemeint. Bereits über das Wochenende habe er die Entwicklung und Vorhersage des Wetters verfolgt, insbesondere der Ozon-Werte. „Von der Seite sprach dem Sportfest nichts entgegen“, erläutert er im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten.
Da am Montag keine sportlichen Höchstleistungen in leichtathletischen Disziplinen erbracht werden sollten, sondern ein freundschaftliches Fußballturnier in Art einer Mini-WM geplant gewesen sei, „haben wir uns für die Durchführung entschieden“, führt der Schulleiter weiter aus. Gründe, die am Morgen dafür gesprochen haben, seien unter anderem die kurze Spieldauer von maximal acht Minuten mit anschließend mindestens viertelstündiger Pause, ein Verpflegungs-Stand der Cafeteria sowie schattige Plätze auf dem Gelände an der Münsterstraße gewesen.
Zum Zeitpunkt, als die ersten beiden Kinder vom anwesenden DRK-Sanitätsdienst wegen eines Kreislaufkollaps versorgt werden mussten, ist Ulrich Netkowski am Sportgelände. Ein drittes Kind kippt um, der Schulleiter veranlasst den sofortigen Abbruch des Sportfestes. „Geplant war, dass um 11 Uhr Schluss ist. Um 11.20 Uhr meldete das DRK, dass zwei Kinder mit Kreislaufkollaps umgekippt seien“, erinnert sich der Oberstudiendirektor. Zu dem Zeitpunkt befand sich das Sportfest im Endstadium.
Nach 12 Uhr seien weitere Kinder umgekippt, schildert Ulrich Netkowski die nächsten Minuten. Mehr und mehr Krankenwagen haben das Stadion zum Ziel, der Notarzt ist im Einsatz, der Rettungshubschrauber landet. „Es sind einige Kinder dabei gewesen, die haben nur zugeschaut und gar nicht aktiv mitgewirkt“, ergänzt er.
Am Nachmittag hat sich der Chef des Hannah-Arendt-Gymnasiums hingesetzt. „Ich will noch einen Brief für die Eltern schreiben“, sagt er auf Nachfrage der WN. Die sollen morgen Mittag das Schriftstück über ihre Kinder erhalten.
Kommentare
Fahrlässigkeit auf höchstem Niveau
Unser Schulleiter hat erneut seine Widersprüchlichkeit gezeigt:
„Es sind einige Kinder dabei gewesen, die haben nur zugeschaut und gar nicht aktiv mitgewirkt“
Ich war vor einigen Wochen bei ihm, mit der Idee einen Schulsanitätsdienst einzurichten. Mit dabei war der Verantwortliche des DRKs, der Herrn Netkowski auch sagte, dass es eine sinnvolle und vor allem kostenlose Schülerinitiative sei, die sogar Leben retten kann.
Er missmilligte den Vorschlag mit den Worten "Es passiert doch eh nichts".
Letzte Woche, genauer gesagt am Chaostag, ist ein Mädchen zusammengebrochen und lag, ohne Betreuung eine halbe Stunde im Sekretariat. Keinen Vorwurf an die Sekretärinnen, die haben genug anderes zu tun, jedoch war keine Person anwesend, die in diesem Bereich ausgebildet worden ist.
Nachdem die Patientin die Krankenliege auf eigenen Wunsch verlassen hat, ist sie bis zum Haupteingang gekommen, wo sie erneut zusammengebrochen ist und dort liegen blieb.
Es war reiner Zufall, dass dort ein Sanitäter der First-Responder Einheit der Freiwilligen Feuerwehr Lienen vor Ort war, der das Mädchen zunächst stabilisieren konnte. Es dauerte ca. 15mins bis der Rettungsdienst eintraf, eine Zeit, die, wenn das Mädchen keine Erste Hilfe Leitungen erfahren hätte, sehr unglücklich hätte enden können. Es kommt immer wieder zu solchen Vorfällen, gerade weil Herr Netkowski das Wort Hitzefrei scheinbar aus seinem Wortschatz gestrichen hat.
Ich bin normalerweise ein Schüler, der die Schulleitung nicht kritisiert, aber für mich hört der Spaß definitiv auf, wenn es um Menschenleben geht.
Ich kann die Reaktion der Eltern absolut verstehen. Ich hätte, wenn ich da gewesen wäre, genauso reagiert.
Als eine Frechheit sehe ich ebenso an, dass der "Verpflegungs-Stand der Cafeteria" keine kostenfreie Verpflegung mit Getränken vorsah. Bei den Temperaturen für sein Trinken bezahlen?
Im SoWi LK bei Herrn Buchalle haben wir mal das Thema durchgenommen, ob Wasser ein Grundrecht des Menschens sei. Fakt ist, dass sowohl Wasser als auch das Trinken Grundrechte sind, für die, gerade in diesem Fall, keine Kosten entstehen dürfen.
Heute liefen zwei Innenarchitekten durch die Schule, die die Pausenhalle "einheitlich" gestalten sollen.
Über das Honorar der Architekten müssen wir an dieser Stelle, denke ich, nicht reden.
Herr Netkowski hat fast 1000 kreative Schüler an seiner Schule und eine sehr gute SV, aber muss unbedingt
Innenarchitekten anheuern, die die Pausenhalle "verschönern" sollen.
Das dies überhaupt schulrechtlich Legal und nicht die SV mit eingeschaltet werden muss, wundert mich.
Geld für Innenarchitekten hat die Schule, aber nicht für kostenfreie Getränke.
Das letzte Jahr war, was die Schulleitung angeht, ein sehr trauriges.
Ich kann nicht verstehen, wie solche fahrlässigen Fehler begangen worden sein können.
Die Bahn wird wegen ausgefallenen Klimaanlagen verklagt, die Schule kommt ohne Sanktionen davon.
Ausgefallene Klimaanlagen oder zwangsweise Sport bei solchem Wetter.
Wer hat den größeren Fehler begangen?
Liebe Grüße
Johannes Zimmermann
Interna
Ein sehr bedenkenswerter Kommentar. Gut, dass man damit auch mal Interna aus der Schule erfährt, die nicht in der Presse stehen.
Gruß Gisa