Quelle: Westfälische Nachrichten (Michael Baar) | Donnerstag, 24. Juni 2010

Lengerich – Können Sophie Berteau, Dominic Schmidt und Phil Kötterheinrich zaubern? Es sieht fast so aus. Gerade haben sie ein paar Bonbons in eine Cola-Flasche getan – und schon sprudelt die braune Brause in hohem Bogen heraus. „Das klappt auch mit Sprite“, sagt Dominic Schmidt und greift zur nächsten Flasche. Eine kurze Diskussion – „Nehmen wir weiße oder bunte Mentos?“ – endet mit einer Abstimmung und einem guten Kompromiss: Bunte und weiße Bonbons kommen in die Flasche. Das Resultat überzeugt: Die Limo schäumt über.
Was sich nach einer Spielerei anhört, die zuhause lieber nur im Garten ausprobiert werden sollte, hat einen ernsten Hintergrund: Die drei Heranwachsenden sind Schüler des Hannah-Arendt-Gymnasiums, besuchen in der Jahrgangsstufe 11 den Chemiekurs von Frank Langenhorst. Am Mittwoch Morgen befinden sie sich statt im Unterrichtsraum auf dem Gelände des Vereins Kindergruppe Lengerich. Dort verblüffen sie die Fünf- bis Siebenjährigen mit ihrer „Zauberkunst“.
Die Aufklärung, warum die Bonbons die Brause zum überschäumen bringen, wird mitgeliefert. Phil Kötterheinrich nimmt ein Mentos in die Hand, geht in die Knie. Andächtig lauschen die Kleinen seiner Erklärung. Die Bonbons haben ganz viele, ganz kleine Löcher. Wirft man es in die kohlensäurehaltige Limonade, sammelt sich die Kohlensäure an der Oberfläche des Mentos. Das geht so schnell, dass dadurch so viel Druck ausgelöst wird, dass die Brause aus dem offenen Flaschenhals schäumt.
Es ist nicht der einzige Trick, den die Chemieschüler im Gepäck haben. Oberflächenspannung bei Flüssigkeiten ist ein weiteres Thema. Uninteressant, unwichtig? Die Mädchen und Jungen sehen das anders. Sie wissen danach, warum man im Wasser Schwimmbewegungen machen muss, um nicht unterzugehen. „Salzwasser trägt besser als Süßwasser, weil die Dichte größer ist“, erklärt Sophie Berteau.
Ein einfaches Experiment verdeutlicht den Kindern die Sache. Ein rohes Ei wird in ein Gefäß mit einem Liter Wasser gegeben. Das Ei sinkt zu Boden. Gibt man Salz dazu, steigt das Ei langsam an die Oberfläche. 200 Gramm Salz auf einen Liter Wasser, das reicht dafür aus.
An je drei Vormittagen sind alle Teilnehmer der beiden Chemiekurse in der Jahrgangsstufe 11 unterwegs. In Kindertagesstätten und -gruppen stellen sie ihr Unterrichtsfach vor – mit einfachen und einleuchtenden Experimenten.
„Erklären ist gar nicht so einfach“, stellt Dominic Schmidt fest. Die Mädchen und Jungen fragen frei von der Leber weg. „Die haben einen anderen Blickwinkel“, sagt Erzieherin Annalena Steinkamp. Schließlich stecke in jedem Kind ein kleiner Forscher.
Den drei HAG-Schülern macht es sichtlich Spaß, mit den Kleinen zu experimentieren. „Die Atmosphäre ist viel lockerer als in der Schule, die Kinder sind viel offener“, hat Sophie Berteau erkannt. Eine schöne Alternative zum Unterricht, meint Phil Kötterheinrich, „man lernt viel mehr“.
Klar, dass alle Experimente vor dem Besuch der Kindergruppen im Unterricht geprobt worden sind. Sicher ist sicher! Selbstversuche nicht ausgeschlossen. „Ich habe das auch schon probiert“, sagt Phil Kötterheinrich und grinst: „Einmal bin ich komplett nass geworden.“
Schmeckt die Limo mit den Mentos nach dem Experiment überhaupt noch? Sophie Bertreau nimmt mutig einen kleinen Schluck. „Sehr süß, ohne Kohlensäure“, stellt sie fest.