„Wie Wasserski auf Schnee“

Rieka Groppe verbringt ein Jahr als Austauschschülerin des Hannah-Arendt-Gymnasiums Lengerich in Norwegen. (Foto: privat)Lengerich – Rieka Groppe, Schülerin des Hannah-Arendt-Gymnasiums, hat sich für ein Jahr von ihrer heimischen Schule verabschiedet. Als Austauschschülerin lebt sie seit sieben Monaten in Norwegen, dem Land der Fjorde und Berge. Nachfolgend berichtet sie von ihren Erlebnissen in dem skandinavischen Königreich:
„Ich habe inzwischen schon sieben Monate im Land der Elche, Fjorde und Skifahrer verbracht. Und ich kann mich nicht beklagen, denn Norwegen hält was es verspricht. Einen Elch durfte ich gleich an einem meiner ersten Tage bewundern, auf dem Weg vom Tromsøer Flughafen. Denn ich bin im hohen Norden Norwegens gelandet, ich meine im wirklichen hohen Norden, nur sechs Stunden bis zum Nordkapp, das ich im Juni besuchen werde. Denn dann wird auch dort die Mitternachtssonne zu sehen sein.
Aber auch in meinem Heimatort Nordreisa wird sie ab Mitte Mai bis lang nach meiner Abreise Ende Juni scheinen. Bisher habe ich ja nur die Zeit des Jahres erlebt, die die einheimischen Norweger als nicht so schön beurteilen. Die auf Norwegisch Mørketida, also dunkle Zeit. Um diesen Begriff zu erklären: Ende Oktober ist es ziemlich schnell immer dunkler geworden, so dass es einige Wochen mit nur zwei Stunden Tageslicht gab.
Aber inzwischen ist die Sonne zurück und alles erstrahlt in neuem Glanz. Viel Schnee gab es im März und da waren es auch angenehme minus fünf Grad Celsius und nicht mehr um die minus 20 Grad, wie es noch um Weihnachten und im Januar der Fall war. Also ist jetzt das perfekte Wetter, um dem norwegischen Nationalsport, dem Langlauf, nach zu gehen. Und auch ich habe einige Runden mit meiner kleinen Gastschwester ums Haus gedreht und auch schon ein, zwei längere Touren gemacht, mein Talent ist nicht schlecht.
Mein Snowboard- und auch mein Alpinski-Talent wurden getestet, es ist vielleicht vorhanden aber nicht so sehr groß. Inzwischen ist schon ziemlich viel Schnee geschmolzen, aber auf den mittelhohen Bergen kann man immer noch dem in Norwegen sehr verbreiteten „Sport“ snøscooter fahren nachgehen. Das ist sozusagen Wasserski, nur auf Schnee. Sehr lustig. Obwohl es eigentlich nicht erlaubt ist, durfte ich auch ein bisschen selber fahren – eine tolle Erfahrung, die man in Deutschland bestimmt nicht machen könnte.
Aber neben vielen Aktivitäten gehe ich natürlich auch zur Schule. Ich habe ganz normale Fächer wie Physik, Chemie, Englisch, Mathe, Sport, Geschichte und natürlich Norwegisch. An meiner Schule werden aber auch Fächer wie Soziologie oder Rechtslehre gewählt. Und alle meine Klassenkameraden können in einem ihrer Fächer zum Examen „gerufen werden“, mündlich oder schriftlich.
Das ist hier ganz normal nach der zweiten Klasse (die unserer 12 entspricht). Das Abschlussexamen schreibt man aber erst nach der dritten Klasse. In allen Fächern. Ich habe aber das Glück, dass ich nur ein norwegisches Examen am 20. Mai schreiben muss und nicht, wie meine Klassenkameraden, in einem beliebigen Fach geprüft werden kann, obwohl ich ansonsten inzwischen schon wie jeder andere norwegische Schüler behandelt werde, was Hausaufgaben, Arbeiten und so weiter angeht.
Nach also fast acht Monaten in Norwegen fühle ich mich hier zu Hause, und dass ich in nur zwei Monaten wieder in Deutschland in der Schule sitze, ist ein ziemlich unwirkliches Gefühl.
Aber natürlich freue ich mich schon wieder auf meine deutsche Familie und meine deutschen Freunde, obwohl ich auch hier Freunde und Familie habe. Denn ich lebe hier ja in einer so genannten Gastfamilie, in der ich aber natürlich kein Gast mehr bin.
Denn inzwischen ist der hohe Norden Norwegens meine zweite Heimat.“

Quelle: Westfälische Nachrichten | Freitag, 7. Mai 2010