
Lengerich – „Ich höre und vergesse, ich sehe und erinnere mich, ich tue und verstehe.“ Dieser an Konfuzius angelehnte Spruch fasst das Konzept des Schülerplanspiels „Management Information Game“ (MIG) hervorragend zusammen. Denn genau das ist die Idee, die der Industrielle Arbeitgeberverband Osnabrück-Emsland bei seinem „Management Information Game“ hat: Schüler der gymnasialen Oberstufe sollen selber tätig werden und daraus lernen. Ein Konzept, das sich mittlerweile seit 20 Jahren bewährt hat.
In dieser Woche tauchten 18 Oberstufenschüler des Hannah-Arendt Gymnasiums (HAG) sowie drei Auszubildende des Unternehmens Windmöller & Hölscher in die harte Unternehmenswelt ein.
Am Donnerstagabend wurden im Rahmen eines Marketingabends die entwickelten Produkte und die zugehörigen Marketingkonzepte den Gästen präsentiert. Austragungsort der Veranstaltung waren die Räumlichkeiten des Unternehmens Windmöller & Hölscher in Lengerich. Die Firma hatte die Teilnehmer während der Woche bei sich aufgenommen und ihnen die erforderlichen Arbeitsbedingungen bereit gestellt.
Das Produkt dieser drei Firmen mit den klangvollen Namen ShowerSounds AG, Citrullus AG und GAM AG war in diesem Spiel ein Duschradio. Auftraggeber war in diesem Fall „TschiDuscho“, ein ursprünglich nur als Kaffeeröster tätiger Konzern, der Filialen in allen größeren deutschen und niederländischen Städten sowie Sonderverkaufsflächen in Supermärkten unterhält. Für diesen Konzern sollten die drei Unternehmen ein innovatives und exklusives Gerät mit zielgruppengerechten Zusatzfunktionen entwickeln.
Diese nahmen sich der Aufgabe an und zeigten große Kreativität. Während die ShowerSounds AG mit einem kleinen handlichen und hoch modischen Gerät mit zusätzlicher Karaoke-Funktion an die Einkäufer herantrat, brachte die Citrullus AG ein etwas größeres, im modernen und zeitgemäßen Design stehendes Objekt auf den Markt, welches frei nach dem Motto „plug und play“ eine äußerst einfache Handhabung versprach. Der Dritte im Bunde, die GAM AG, zeigte viel Umweltbewusstsein und stellte den „Einkäufern“ von TschiDuscho ein mit Wasser angetriebenes Radio vor. Das Produkt war mit einfacheren Funktionen ausgestattet, als die Geräte der Konkurrenten. Die GAM AG folgte so ihrem Unternehmensspruch „Die Kunst ist es sich, aufs Wesentliche zu konzentrieren“. Die angesprochene Zielgruppe war dementsprechend weiter gefasst.
Bei der GAM AG sollte somit jedermann, bei der ShowerSounds AG in erster Linie Menschen im Alter von 16 bis 28 Jahren und bei der Citrullus AG vor allem Frauen angesprochen werden. Untermalt wurde das Ganze durch individuelle Werbe- oder Radiospots, die bei den Einkäufern den einen oder anderen Lacher hervorbrachten.
Nach einer zehnminütigen Präsentation stellten sich die Gruppen den Fragen der Einkäufer. Die als Einkäufer fungierenden Gäste, vertraten die Bereiche Wirtschaft, Politik und Schule. Die Fragen, teils sehr knifflig scheinend, stellten für die „Jungunternehmer“ kein Problem dar. Mit Übersicht und gutem Wissen wussten die Teilnehmer jede Frage zufriedenstellend zu beantworten.
Am Ende wurde abgestimmt, wer den Auftrag erhalten sollte. Jeder der „Einkäufer“ hatte zehn Punkte zur Verfügung, die es auf die drei Gruppen zu verteilen galt. Mit satten 89 Punkten ergatterte schließlich die Citrullus AG mit ihrem Marketingkonzept den Auftrag von „TschiDuscho“. Die Freude über die gelungene Präsentation war nicht nur bei den Siegern offensichtlich. Jana Billigmann vom Industriellen Arbeitgeberverband lobte das hohe Engagement der Schüler und Auszubildenden. So hätten diese mit ihrer Leistung durchaus gute Chance, später in einem Unternehmen tätig zu werden. Insbesondere die Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik seien immer auf der Suche nach neuen Talenten.
Während Ulrich Netkowski, Schulleiter des Hannah-Arendt-Gymnasiums, den Sponsoren dankte und auf die Bedeutung der Verbindung zwischen Schule und Arbeitswelt verwies, waren die „Unternehmer“ in Gedanken schon einen Schritt weiter. So steht am darauffolgenden Tag die abschließende Hauptversammlung an, in der sich offenbaren wird, wie erfolgreich die jeweiligen Unternehmen tatsächlich gearbeitet haben.
Nach diesem Abend fällt der Blick in die Zukunft in jedem Fall positiv aus: Junge Menschen mit einem solchen Engagement und einer so hohen Kreativität werden in der Wirtschaft gebraucht.
Quelle: Westfälische Nachrichten (Anika Leimbrink) | Samstag, 27. März 2010