Mit der Geschichte Nambias konfrontiert

Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die Schüler den lebendigen Vortrag von Silke Jüterbock und Kathrin Groppe. (Foto: privat)Lengerich – Sie engagieren sich seit langem für das „Engeltjies“-Projekt in Namibia: Schüler, Lehrer und Eltern des HAG. Schülersprecherin Kathrin Groppe und Freundin Silke Jüterbock waren im Dezember zwei Wochen in Namibia unterwegs, um sich vor Ort über das Kindergarten-Projekt zu informieren. Sie übergaben Projektbegründerin Lore Bohm eine Geldspende. Gleichzeitig unterstützten sie die ehemalige Lehrerin am HAG für einige Tage tatkräftig bei ihrer Arbeit mit den namibischen Kindern.
Da am HAG das Interesse und die Unterstützung für dieses Projekt groß ist, erhielten die beiden Schülerinnen vergangene Woche in der Studiobühne die Möglichkeit, den Jahrgängen 5 und 6 des HAG mit einem Power-Point-Vortrag, die Eindrücke und Erfahrungen ihrer Afrikareise weiterzugeben. Langeweile kam in diesen jeweils 90 Minuten nicht auf. Im Gegenteil.
Die beiden Schülerinnen verstanden es hervorragend, ihre kleinen Zuhörer in den Bann zu ziehen. Sie bewiesen erstaunliches pädagogisches Geschick, beispielsweise wie sie die Geschichte Namibias nicht einfach nur referierten, sondern die Schüler selbst tätig werden ließen. So wurden denn auf der Bühne ganz plastisch Entdeckungsreisen unternommen, Aufstände niedergeschlagen und Verträge per Handschlag besiegelt, während die Schüler ganz nebenbei viele Fakten über Namibia erfuhren.
Als wenn sie nie etwas anderes machen würden, vermittelten Silke Jüterbock und Kathrin Groppe den jüngeren Schülern mit einer beachtlichen Souveränität politische und gesellschaftliche Zusammenhänge und Missstände. Sie berichteten über Land und Leute, zeigten Bilder von den Städten Windhoek und Swakopmund und ließen die Wüste und die Pflanzenwelt Namibias lebendig werden.
Die beiden Schülerinnen gingen dabei auch auf die Bedeutung des Zugangs zu Bildung wie auch den Stellenwert der englischen Sprache für die namibischen Kinder ein und vermochten es, den deutschen Schülern vermeintlich Selbstverständliches wie den Besuch einer Grundschule und das Erlernen von Lesen und Schreiben als ein Privileg vor Augen zu führen, das nicht allen Kindern dieser Welt zukommt.
Wie sehr die Fünft- und Sechstklässler in das Thema eintauchten, zeigte die Fülle der Nachfragen mit denen sich die Referentinnen konfrontiert sahen. Auch das „Engeltjies“-Projekt, von dem die Schüler bereits vorher durch die aktive SV-Arbeit am HAG gehört hatten, stellten Kathrin Groppe und Silke Jüterbock anhand von Fotos und spannenden Erzählungen sehr lebendig vor. Die drei Kindergärten, die Lore Bohm und ihre Mitarbeiterin Dr. Ina Wykowski inzwischen in Swakopmund unterhalten und in denen insgesamt etwa 90 Kinder betreut werden, finanzieren sich ausschließlich durch Spenden und Patenschaften, die für die Kinder übernommen werden können, erfuhren die Zuhörer.
Nach herzlichem Applaus für die beiden Referentinnen wurde eifrig in den Klassen weiter diskutiert. Man hatte am Ende nicht das Gefühl, hier sei Unterricht „ausgefallen“. Eher, dass ein ganz besonders lebendiger, fächerübergreifender Unterricht von Schülern für Schüler stattfand.

Quelle: Westfälische Nachrichten | Samstag, 20. Februar 2010