Ein sehr guter Abijahrgang

Ein stolzer Abiturjahrgang, der am Wochenende vom Hannah-Arendt-Gymnasium entlassen wurde. Bei 17 Schülerinnen und Schülern stand beim Notendurchschnitt eine Eins vor dem Komma. Foto: Elisabeth KiepkerLengerich – Sie haben sich auf eine Suche begeben. Auf die Suche danach, was das Leben für diese 75 jungen Menschen nun nach dem Ende ihrer Schulzeit am Hannah-Arendt-Gymnasium bereit hält. Wie das Motto des Lengericher Abiturjahrgangs „Looking for freedom“ in Anlehnung an den Song von David Hasselhoff vermuten lässt, haben sie sich auf die Suche nach einem besonderem Gut, dem Gut der Freiheit gemacht. Doch wie sieht jenes für diesen, wie der stellvertretende Schulleiter Dr. Alois Thomas bei der offiziellen Verabschiedung am Freitagabend in der Gempthalle sagt, „besonders leistungsstarken, mit einer natürlichen Freundlichkeit und viel mitmenschlichen Einfühlungsvermögen ausgestatteten Jahrgang“ aus?
Ist es, wie Doris Muntzos in ihrem Grußwort der Eltern erwähnt, die Freiheit, fortan selbstverantwortlich aufzustehen, sich die Brote zu schmieren, den Tag zu bestreiten und abends allein zur Party hin und vor allem zurück zu kommen? Ist es die Freiheit, von nun an selbst einkaufen zu gehen und für den eigenen Lebensunterhalt aufzukommen? Wäsche zu waschen und eigenverantwortlich durchs Leben zu gehen? Die Elternvertreterin wünscht den Abiturienten, „ihre Träume zu leben, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, sich einzubringen und einzumischen“.
Es sind Gedanken, die auch Schulleiter Ulrich Netkowski in seiner Rede aufgreift. „Nach Freiheit Ausschau zu halten, heißt für Sie zunächst: Last und Pflicht des Lernen abzustreifen und fürs Ausschlafen kein Attest mehr zu benötigen, also erst mal nicht mehr fremdbestimmt zu sein. Freie Entfaltung der Persönlichkeit, wie es in unserer Verfassung heißt, reklamieren Sie nun für sich.“ Er geht dem Begriff der Freiheit aus sozio-historischer Sicht auf die Spur, wünscht seinen Abiturienten schließlich, „das voller Hoffnung und auf die Zukunft gerichtete „Yes we can“ des neuen amerikanischen Präsidenten für das eigene selbstbewusste realistische Handeln zu übernehmen“.
Dass er seine Schüler guten Gewissens in einen neuen Lebensabschnitt voller Freiheit entlassen kann, ist ihm bewusst. Das HAG, das in diesem Jahr zudem den Schulentwicklungspreis „Gute gesunde Schule“ und damit ein Preisgeld von 10 000 Euro erhält, verabschiedet einen engagierten, leistungsstarken Jahrgang, in dem 17 Schüler ein Zeugnis mit einer Eins vor dem Komma haben und in dem der Notendurchschnitt bei 2,4 liegt.
Schule und Schüler haben also allen Grund stolz zu sein. Und das sind sie auch. So nutzen Tanja Schramm und Stephan Kahl in ihrer amüsanten wie mit einer Prise Sarkasmus gewürzten „Abituransprache“ die Gelegenheit, ihren Familien eine Gratulation „zu derart gut aussehenden, so motivierten, charismatischen und höchst gebildeten Nachkommen“ auszusprechen. Die beiden Abiturienten werfen einen Blick zurück. Überlegen, was nach neun Jahre am HAG hängen geblieben ist. Manche Anekdote aus dem Biounterricht, von der Skigymnastik oder den Kursfahrten kommt auf den Tisch, findet sich nach dem offiziellen Teil auch im von Anna Muntzos und Jascha Kanngießer produzierten Abifilm wieder.
Eines wird deutlich: Dieser Jahrgang, der das HAG verlässt, hat Spuren hinterlassen. Darauf weist Schulleiter Netkowski nicht nur hin, als er sich bei zahlreichen Abiturienten bei deren vielfältiges Engagement im Schulalltag bedankt. Das zeigt auch das musikalische Rahmenprogramm, bei dem David Mrohs nach Auftritten mit der Big Band, einer Gitarren- und Celloeinlage mit Friederike Henzelmann schließlich mit einem beeindruckenden E-Gitarren-Solo einen besonderen Schlusspunkt setzt. Einen Schlusspunkt unter die Feier sowie unter die gesamte Schulzeit. Auf gehts in die Freiheit.

Quelle: Westfälische Nachrichten (Mareike Lindemann) | Sonntag, 28. Juni 2009
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