Parfüm und Gummibärchen
Lengerich – Irgendwie hat es mit der Aufteilung der Gummibärchen nicht geklappt. Für einen Moment ist die Tüte wichtiger als das Experiment mit den kleinen, knuddeligen Bärchen. Lea Widermann und Ines Selker haben die Situation im Griff. Gebannt hängen die Mädchen und Jungen wieder an den mit Butterflöckchen befestigten Leckereien am Ende von Strohhalmen und Metalllöffeln.
„Die Kita forscht“, hat Christine Ritter das Projekt beschrieben. An vier Donnerstagen sind jeweils zwei Schülerinnen des Hannah-Arendt-Gymnasiums in der Kindertagesstätte des Vereins Kindergruppe Lengerich am Hollenbergs Weg.
Jeder Vormittag – eigentlich sind es nur zwei Schulstunden – steht unter einem eigenen Thema. Die Knirpse haben bereits „Spurensuche“ betrieben, sind dem Projekt Feuerlöscher zu Leibe gerückt und haben beim Auftakt mit Wasser und Feuer experimentiert.
Die beiden Jugendlichen haben die Gruppe im Griff. Referendar Fabian Hilbig schaut ihnen zu. Die Teilnehmer seines Grundkurses sind auf zehn Tageseinrichtungen für Kinder in der Stadt verteilt. Überall wird eifrig experimentiert.
Die Sache mit den angebutterten Gummibärchen am Strohhalm klärt sich auf. Die Stengel stehen in einem Gefäß, das mit Wasser gefüllt worden ist. Am Metalllöffel fangen die Leckereien schneller an zu rutschen. „Es ist ein besserer Wärmeleiter“, erklären die beiden Heranwachsenden.
Zuvor sind die sechs Kinder ganz Auge und Ohr. Sie stellen etwas her, womit sie daheim der Mama eine Freude machen können: Lavendelparfüm. Ein leichter, zarter Duft hängt noch im Raum.
Die Schülerinnen des HAG haben diese „Experimentierstunden“ komplett vorbereiten müssen. „Sie haben festgelegt, welche Experimente gemacht werden. Dafür mussten die entsprechenden Einkäufe getätigt und der Verlauf der ‚Laborstunde‘ festgelegt werden“, erläutert Fabian Hilbig.
Den beiden jungen Frauen macht es sichtlich Spaß, „in die Rolle des Lehrers zu schlüpfen“, wie Lea Wiedermann sagt. „Es ist schön zu sehen, wie die Kinder sich für die Versuche begeistern“, fügt Ines Selker hinzu.
Das ist der Hintergedanke dieser Besuche. „Kinder sollen an Naturwissenschaften herangeführt werden“, setzt Hilbig auf deren natürliche Neugierde. Gemeinsam mit der Lehrerin Gabriele Alfers hat er den Grundkurs dafür begeistern können. Auch wenn es ungewohnt ist, die Vorbereitungen in die Hand nehmen zu müssen. Das räumen die beiden „Jung-Lehrerinnen“ ein. Dass ihnen das Arbeiten mit den Kindern Freude bereitet, ist in ihren Gesichtern abzulesen.
Quelle: Westfälische Nachrichten (Michael Baar) | Freitag, 26. Juni 2009