
Lengerich – Maler halten das Spiel des Lichtes auf einer bewegten Wasseroberfläche im Bild fest. Günther Wiesemann hat das mit Tönen getan. Wie sich das anhört, haben gestern Morgen die Zehntklässler des Hannah-Arendt-Gymnasiums erfahren – und ein neugieriger Zuhörer, Herr Schepers.
Das zarte Spiel der Töne ist kaum verklungen, da legt der Musiker nach. „Mal ruhig, mal wild“ lautet die Übersetzung der italienisch betitelten Eigenkomposition. Die Zuschauer im Mehrzweckraum an der Bahnhofstraße machen große Augen: Die Saiten des Flügels bringt der 52-Jährige nicht nur mit den Tasten, sondern auch durch direkten Zugriff mit den Händen zum Klingen.
Ein berauschender Einstieg in die Veranstaltung. Zwei Stücke spielt Wiesemann, dann ist Zeit zum Gespräch über das Gehörte – und auch Gesehene. Seit über 15 Jahren ist der freischaffende Musiker und Komponist auf Tournee durch Schulen in Nord- und Westdeutschland. „Komponisten in Schulen“ heißt das Angebot, das parallel zum Landeswettbewerb „Jugend komponiert“ entstanden ist.
An diesem Montagvormittag sitzt Wiesemann entspannt im Mehrzweckraum. Kammermusik am Montagvormittag? Für ihn (inzwischen) nichts Ungewöhnliches mehr. „Das kommt gut an“, schwingt ein leichtes Staunen in seiner Stimme mit über die Resonanz der Öffentlichkeit auf diese Einladung.
Langsam füllen sich die Stuhlreihen. Der Sohn musikbegeisterter Eltern erläutert den geplanten Ablauf des Vormittags. Zwei Stücke spielt er, dann soll diskutiert werden: Über das Gehörte, die Spieltechnik, übers Komponieren und auch „über Persönliches, wenn das von Interesse ist“.
Die klassischste aller Fragen – „Wie lange üben Sie täglich?“ – fehlt nicht. Der Aufwand, so erklärt der Künstler, richtet sich nach den Stücken. „Wenn neue Kompositionen anstehen, wird’s sehr intensiv“, räumt er ein. Zwei bis drei Stunden täglich, bis das Zusammenspiel aller Beteiligten passt, fügt er auf Nachfrage hinzu.
Rund 180 Veranstaltungen bestreitet der freischaffende Künstler im Jahr. Die Termine an Schulen (der Kontakt zum Hannah-Arendt-Gymnasium ist über Musiklehrer Klaus Tewes geknüpft worden) machen ihm sichtlich Spaß. Der Premiere in Lengerich werden weitere Auftritte folgen. Da ist sich nicht nur der Künstler sicher.
Quelle: Westfälische Nachrichten (Michael Baar) | Dienstag, 9. März 2009