Die Kehrseite der Fördermittel
Stadt muss für die Schülerverpflegung tief in die leere Kasse greifen
Lengerich. Das 1000-Schulen-Programm des Landes Nordrhein-Westfalen hat in der Stadt Hunger entdeckt. Am Hannah-Arendt-Gymnasium soll eine Mensa gebaut werden. An der Friedrich-Bodelschwingh-Realschule ein entsprechender Aufenthalts- und Verpflegungsraum.
125 Schüler sollen im Neubau am Gymnasium gleichzeitig verpflegt werden. Hinzu kommen weitere 75 Essplätze im angrenzenden Bereich der Schule. Diese Zahlen nennt Ulrich Temme und zeigt auf eine sehr realistisch wirkende Skizze. Ein attraktiver Anbau ans Gymnasium auf dem nördlichen Schulhof zur Dietrich-Bonhoeffer-Realschule hin. Deren Schüler sollen dort ebenfalls versorgt werden.
der Haken an den Plänen: „Je Schule gibt es maximal 100 000 Euro an Fördermitteln“, erläutert Reinhard Wiethölter. Und das auch nur dann, wenn der Träger (sprich die Stadt) den gleichen Beitrag zur Hand nimmt, fügt der Fachdienstleiter Schule hinzu.
200 000 Euro fürs Gymnasium plus 200 000 Euro für die Bonhoeffer-Realschule macht nach Adam Riese 400 000 Euro. Ein stolzer Betrag, aber zu wenig für das, was Ulrich Temme präsentiert. „575 000 Euro“, sagt der Leiter des Fachdienstes Zentrale Gebädewirtschaft. Im Schulausschuss hört sich das nicht spektakulär an, sorgt aber einen Moment für Stille.
Hinzu kommt die Bodelschwingh-Realschule. Dort würde die Umnutzung eines Klassenraumes im Ostflügel samt Anlage einer überdachten Außenterasse rund 75 000 Euro kosten. Die Hälfte dieser Summe käme vom Land.
Der Fachausschuss diskutiert. Dass das Essen von einer Catering-Firma geliefert werden soll, interessiert nur am Rande. Helmut Wittmann, partei- und fraktionsloses Ratsmitglied und im Ausschuss ohne Stimmrecht, vermisst die Hauptschule. Deren Rektor Eckhard Teepe verweist verwundert auf die Tatsache, dass an der Gutenberg-Hauptschule der Ganztagsbetrieb seit Jahren Alltag sei. Die SPD will nicht abstimmen. „Wir wissen bei der Bodelschwingh-Realschule nicht genau, was gemeint ist“, erklärte Renate Hüttemann. „Schon gestern in der Fraktion nicht“, fügt sie hinzu. Ihr Antrag auf Verschiebung des Themas ohne Votum in den Haupt- und Finanzausschuss scheiterte. Die Genossen-Riege enthält sich darauf hin bei der Abstimmung, Schwarze und Grüne sagen „Ja“.
Quelle: Westfälische Nachrichten, Donnerstag, 16. Oktober 2008